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Durchschnittsalter nach Landkreis 2026: Jung vs. alt

· immopreis.app Redaktion

Deutschland altert — das ist keine neue Erkenntnis, aber die regionalen Unterschiede sind dramatisch. Der bundesweite Durchschnitt liegt laut Zensus 2022 bei 46.2 Jahren, doch dahinter verbirgt sich eine enorme Spanne: Universitätsstädte und Großstädte ziehen junge Menschen an und bleiben demografisch jung, während ländliche Kreise vor allem in Ostdeutschland immer älter werden. Für den Immobilienmarkt ist das Durchschnittsalter ein zentraler Indikator: Junge Bevölkerung schafft Nachfrage nach Mietwohnungen und treibt Preise, alternde Bevölkerung führt zu Angebotszuwachs durch Erbschaften und Umzüge in Pflegeheime.

Durchschnittsalter der Bundesländer im Vergleich

Die folgende Tabelle zeigt alle Bundesländer geordnet nach ihrem Durchschnittsalter – von jung nach alt. Berlin, Hamburg und Bremen als Stadtstaaten mit hohem Studentenanteil führen das Ranking der jüngsten Länder an, während Sachsen-Anhalt und Thüringen das älteste Durchschnittsalter aufweisen.

# Bundesland Durchschnittsalter
1 Hamburg 42,1 Jahre
2 Berlin 42,7 Jahre
3 Saarland 43,5 Jahre
4 Schleswig-Holstein 43,6 Jahre
5 Bremen 43,8 Jahre
6 Rheinland-Pfalz 44,0 Jahre
7 Mecklenburg-Vorpommern 45,1 Jahre
8 Bayern 45,2 Jahre
9 Sachsen-Anhalt 45,2 Jahre
10 Niedersachsen 46,0 Jahre
11 Brandenburg 46,2 Jahre
12 Baden-Württemberg 46,4 Jahre
13 Thüringen 46,4 Jahre
14 Nordrhein-Westfalen 47,2 Jahre
15 Hessen 47,5 Jahre
16 Sachsen 48,7 Jahre

Der Kontrast ist deutlich: Die jüngsten Bundesländer profitieren von Zuzug, Hochschulen und wirtschaftlicher Dynamik. Die ältesten Bundesländer — insbesondere in Ostdeutschland — kämpfen mit den Folgen jahrzehntelanger Abwanderung und niedriger Geburtenraten.

Die 10 jüngsten Landkreise

Universitätsstädte dominieren das Ranking der jüngsten Kreise. Wo viele Studierende wohnen, sinkt das Durchschnittsalter erheblich. Auch wirtschaftlich dynamische Kreise mit hohem Zuzug junger Fachkräfte finden sich in der Spitzengruppe.

# Landkreis Bundesland Durchschnittsalter
1 Zweibrücken Rheinland-Pfalz 37,0 Jahre
2 Ingolstadt Bayern 37,0 Jahre
3 München Bayern 37,0 Jahre
4 Krefeld Nordrhein-Westfalen 37,0 Jahre
5 Borken Nordrhein-Westfalen 37,0 Jahre
6 Unna Nordrhein-Westfalen 37,0 Jahre
7 Wartburgkreis Thüringen 37,0 Jahre
8 Jerichower Land Sachsen-Anhalt 37,1 Jahre
9 Dithmarschen Schleswig-Holstein 37,2 Jahre
10 Cloppenburg Niedersachsen 37,3 Jahre

Kreise mit Universitäten oder Fachhochschulen haben strukturell einen Vorteil: Studierende, die typischerweise zwischen 18 und 28 Jahren alt sind, senken das Durchschnittsalter dauerhaft. Hinzu kommt, dass attraktive Wirtschaftsstandorte junge Fachkräfte anziehen und halten.

Die 10 ältesten Landkreise

Das Ranking der ältesten Kreise zeigt ein klares Muster: Es handelt sich fast ausschließlich um ländliche Kreise in Ostdeutschland — Regionen, die seit der Wiedervereinigung einen anhaltenden Bevölkerungsrückgang erfahren haben.

# Landkreis Bundesland Durchschnittsalter
1 Höxter Nordrhein-Westfalen 57,5 Jahre
2 Prignitz Brandenburg 57,3 Jahre
3 Viersen Nordrhein-Westfalen 57,0 Jahre
4 St. Wendel Saarland 57,0 Jahre
5 Leipzig Sachsen 56,8 Jahre
6 Leipzig Sachsen 56,8 Jahre
7 Kelheim Bayern 56,4 Jahre
8 Speyer Rheinland-Pfalz 56,0 Jahre
9 Hamm Nordrhein-Westfalen 56,0 Jahre
10 Freudenstadt Baden-Württemberg 55,7 Jahre

In diesen Kreisen übersteigt das Durchschnittsalter teils 50 Jahre deutlich. Das bedeutet: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist jenseits der 50 — mit allen Konsequenzen für Infrastruktur, Arbeitsmarkt und lokale Wirtschaft.

Warum ist Ostdeutschland so viel älter?

Die demografische Kluft zwischen Ost und West hat tiefe historische Wurzeln. Nach der Wiedervereinigung 1990 wanderten in den ersten Jahren mehr als eine Million Menschen aus Ostdeutschland ab — überwiegend junge, gut ausgebildete Personen auf der Suche nach Arbeit und Perspektiven im Westen. Dieser Aderlass setzte sich in abgeschwächter Form bis heute fort.

Gleichzeitig brach die Geburtenrate in Ostdeutschland in den 1990er Jahren drastisch ein — zeitweise auf unter 0,8 Kinder je Frau, den niedrigsten Wert der Welt. Während sich die Rate inzwischen erholt hat, fehlt die „verlorene Generation" dieser Jahre heute vollständig in der Bevölkerungsstruktur.

Ein dritter Faktor ist die Zuwanderung: Westdeutsche Großstädte, insbesondere Hamburg, Frankfurt, München und Berlin, haben erheblich von internationaler Migration profitiert — die Zuwanderer sind im Schnitt jung. Ostdeutsche ländliche Kreise haben kaum Zuwanderung erhalten und konnten die demografischen Verluste nicht ausgleichen.

Das Durchschnittsalter ist ein starker Prädiktor für künftige Immobiliennachfrage — junge Bevölkerung bedeutet Wachstum, überalterte Regionen stehen vor strukturellen Herausforderungen.

Bedeutung für den Immobilienmarkt

Die demografische Struktur einer Region beeinflusst den Immobilienmarkt direkt und nachhaltig:

Junge Kreise: Hohe Nachfrage nach Mietwohnungen — Studierende und Berufseinsteiger mieten in der Regel zunächst, bevor sie kaufen. Das treibt Mietpreise, hält Leerstand niedrig und macht diese Märkte für Investoren attraktiv. Langfristig entsteht auch Eigentumsdemand, wenn dieselben Jahrgänge in die Familienphase kommen.

Alte Kreise: In überalterten Regionen nimmt das Angebot durch Erbschaften zu — Kinder, die in anderen Städten leben, erben Häuser in der Heimat und verkaufen sie. Gleichzeitig ziehen ältere Menschen in Pflegeheime oder betreutes Wohnen und geben ihre Immobilien frei. Das drückt die Preise. Zugleich sinkt die Nachfrage, da wenig Zuzug die Abgänge ausgleicht.

Für Investoren bedeutet das: Kreise mit junger, wachsender Bevölkerung bieten stabilen Cashflow und Wertsteigerungspotenzial. Kreise mit überalterter, schrumpfender Bevölkerung können als Kaufgelegenheit interessant sein — bei niedrigem Einstiegspreis, aber mit erhöhtem Strukturrisiko.

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