Wohneigentumsquote Deutschland 2026: Wo kaufen die meisten Deutschen?
Nur 49,3 % aller Deutschen wohnen im Eigentum – damit gehört Deutschland zu den Schlusslichtern in der Europäischen Union, wo der Durchschnitt bei rund 70 % liegt. Doch hinter dieser Zahl verbirgt sich ein extremes Gefälle: Während in ländlichen Kreisen des Saarlands und der Pfalz mehr als 70 % der Bevölkerung in den eigenen vier Wänden leben, sind es in Ostdeutschlands Großstädten teilweise weniger als 15 %. Diese Analyse zeigt, wo Deutschland Eigentumsland ist – und wo die Mieterkultur dominiert.
Die 20 Kreise mit der höchsten Eigenheimquote
Die folgende Tabelle zeigt die 20 Landkreise mit dem höchsten Anteil an Wohneigentümern (Quelle: Zensus 2022). 303 von 400 Kreisen liegen über der 40-%-Marke – das Eigentum ist in der Fläche klar verbreitet. Die Spitzenreiter stammen überwiegend aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Bayern.
| # | Landkreis | Bundesland | Eigenheimquote |
|---|---|---|---|
| 1 | Südwestpfalz | Rheinland-Pfalz | 73,1 % |
| 2 | Kusel | Rheinland-Pfalz | 71,8 % |
| 3 | St. Wendel | Saarland | 71,4 % |
| 4 | Freyung-Grafenau | Bayern | 71,0 % |
| 5 | Merzig-Wadern | Saarland | 70,0 % |
| 6 | Kronach | Bayern | 69,7 % |
| 7 | Haßberge | Bayern | 69,6 % |
| 8 | Cham | Bayern | 68,6 % |
| 9 | Straubing-Bogen | Bayern | 68,5 % |
| 10 | Amberg-Sulzbach | Bayern | 67,7 % |
| 11 | Schweinfurt | Bayern | 67,6 % |
| 12 | Bayreuth | Bayern | 67,5 % |
| 13 | Neustadt a.d.Waldnaab | Bayern | 67,2 % |
| 14 | Neumarkt i.d.OPf. | Bayern | 66,9 % |
| 15 | Vogelsbergkreis | Hessen | 66,6 % |
| 16 | Dillingen a.d.Donau | Bayern | 66,3 % |
| 17 | Main-Spessart | Bayern | 66,3 % |
| 18 | Tirschenreuth | Bayern | 66,2 % |
| 19 | Eichstätt | Bayern | 66,1 % |
| 20 | Rhön-Grabfeld | Bayern | 65,8 % |
Warum hat das ländliche Saarland und die Pfalz so hohe Eigentumsquoten?
Die Südwestpfalz (73,1 %), Kusel (71,8 %) und das saarländische St. Wendel (71,4 %) führen das Ranking an – und das aus gutem Grund. Diese Regionen sind strukturell auf Einfamilienhäuser ausgerichtet: Günstige Grundstückspreise, eine über Generationen gewachsene Eigenheimtradition und eine eher ländliche Siedlungsstruktur ohne dominante Mietmärkte sorgen dafür, dass der Kauf für viele Familien die selbstverständliche Option ist.
Hinzu kommt der Faktor Mehrgenerationenwohnen: In Saarland und Rheinland-Pfalz werden Häuser häufig innerhalb der Familie weitergegeben oder gemeinsam genutzt – ein Modell, das die Eigentumsquote strukturell erhöht. Auch in Bayerns Landkreisen wie Freyung-Grafenau (71,0 %), Kronach (69,7 %) und Haßberge (69,6 %) findet sich diese Tradition.
Zum Vergleich: Der EU-Durchschnitt der Wohneigentumsquote liegt bei rund 70 %. Länder wie Rumänien (96 %), Slowakei (92 %) oder Ungarn (91 %) liegen weit vorne. Deutschland (ca. 49 %) ist gemeinsam mit der Schweiz und Österreich Schlusslicht – trotz einer der höchsten Kaufkräfte in Europa.
Die Städte mit der niedrigsten Eigenheimquote – ein ostdeutsches Phänomen
Die 10 Kreise mit den niedrigsten Eigentumsquoten offenbaren ein klares Muster: Es sind fast ausschließlich ostdeutsche Großstädte sowie Frankfurt am Main, die das untere Ende bilden. Leipzig (13,3 %), Rostock (14,4 %), Berlin (15,8 %), Halle (Saale) (16,0 %) und Dresden (16,5 %) haben Quoten, die sich kaum von skandinavischen Mietstädten unterscheiden.
| # | Stadt / Kreis | Bundesland | Eigenheimquote |
|---|---|---|---|
| 1 | Leipzig, Stadt | Sachsen | 13,3 % |
| 2 | Rostock | Mecklenburg-Vorpommern | 14,4 % |
| 3 | Berlin, Stadt | Berlin | 15,8 % |
| 4 | Halle (Saale), Stadt | Sachsen-Anhalt | 16,0 % |
| 5 | Dresden, Stadt | Sachsen | 16,5 % |
| 6 | Potsdam, Stadt | Brandenburg | 17,0 % |
| 7 | Schwerin | Mecklenburg-Vorpommern | 17,7 % |
| 8 | Magdeburg, Landeshauptstadt | Sachsen-Anhalt | 18,1 % |
| 9 | Chemnitz, Stadt | Sachsen | 18,3 % |
| 10 | Frankfurt am Main, Stadt | Hessen | 19,8 % |
Das DDR-Erbe: Warum Ostdeutschlands Städte eine Mieterkultur haben
Der historische Grund für die niedrigen Eigentumsquoten in ostdeutschen Städten liegt in der Wohnungspolitik der DDR. Wohnraum war dort weitgehend Volkseigentum: Plattenbauwohnungen und Genossenschaftsgebäude wurden vom Staat verwaltet und zu subventionierten Mieten vergeben. Kaufen war weder möglich noch gesellschaftlich üblich – Eigentum an Wohnraum galt als bürgerliches Modell.
Nach der Wiedervereinigung 1990 wurden diese Bestände privatisiert – aber nicht an die Bewohner verkauft, sondern an Investoren, Wohnungsgesellschaften und Genossenschaften. Die Mieter blieben Mieter. Das Ergebnis ist eine bis heute verankerte Mieterkultur in ostdeutschen Großstädten, die sich in keiner anderen Region Westeuropas so konzentriert findet.
Städte wie Leipzig, Halle und Magdeburg haben zudem in den 1990ern massive Bevölkerungsverluste erlitten – leer stehende Plattenbauten wurden abgerissen, aber keine neue Eigentumsstruktur aufgebaut. Erst in den 2010er-Jahren stiegen die Immobilienpreise in Leipzig und Dresden so stark, dass Käufer wieder in den Markt eintraten – aber von einer niedrigen Basis.
Was bedeutet das für den Immobilienmarkt?
Die Eigenheimquote ist kein neutraler Wert – sie beeinflusst direkt, wie sich Immobilienpreise entwickeln und wie stabil ein lokaler Wohnungsmarkt ist. Kreise mit hoher Eigentumsquote haben tendenziell stabilere Preise, da weniger spekulatives Kapital im Spiel ist und viele Eigentümer langfristig halten. In Kreisen mit niedriger Quote – vor allem in den attraktiven ostdeutschen Städten – ist der Mietmarkt dominanter, und Investoren prägen das Preisgefüge stärker.
Das zeigt sich auch bei der Kaufkraft und den Immobilienpreisen: In Leipzig, Dresden und Halle sind die relativen Preise in den letzten Jahren stärker gestiegen als die lokale Kaufkraft – ein Zeichen, dass externe Investoren die Nachfrage treiben. Wer in diesen Städten kaufen möchte, profitiert gleichzeitig von einer noch vergleichsweise niedrigen absoluten Preisnorm gegenüber München oder Frankfurt.
Für ländliche Regionen mit hoher Eigentumsquote gilt das Gegenteil: Dort ist die Nachfrage nach Mietwohnungen schwächer, aber das lokale Einkommen reicht in vielen Fällen aus, um ein Eigenheim zu finanzieren – besonders wenn Grundstücke günstig sind. Die teuersten Landkreise beim Bauland finden sich fast nie unter den Eigentumsquoten-Spitzenreitern.